Ach, mein Wochenende war einfach super, geradezu wunderprächtig! Und ich finde, etwas so tolles hat auch einen Blogeintrag verdient. (Das wird schon der 50.!)
Der Freitagabend war faul – ich habe mir einen Film angesehen, der absolut zu empfehlen ist: “The Number 23″. Jim Carrey spielt einen Mann, der von einem Buch, das er liest, vollkommen besessen wird. Und wie in all seinen ernsten Rollen (z.B. “Vergiss mein nicht”, “The Truman Show”) ist er auch in diesem Film absolut großartig.
Am Samstag bin ich mal wieder durch Melbourne gestreift. Also, das mache ich ja eigentlich jedes Wochenende, aber es wird einfach niemals langweilig.
Melbourne ist eine Stadt, in der man an jeder Straßenecke über etwas anderes spannendes, unvorhergesehenes stolpert. Zuerst ist mir die unglaubliche Architektur (die man aber auch in Sydney findet) aufgefallen. Man kommt beispielsweise aus der Flinders Street Station, einem wunderschönen (also, für den Rest des Beitrags schränke ich mal die positiven Adjektive ein – denkt euch das einfach dazu…) Bahnhof heraus, und das erste, was man sieht, ist eine mindestens ebenso eindrucksvolle Kirche, die fast schon eine kleine Kathedrale ist. Und in Sichtweite dieser beiden Gebäude befindet sich der Federation Square, der unglaublich modern ist – man muss ihn gesehen haben, beschreiben lässt sich das nicht.
Ebenso vielfältig wie die Architektur ist aber alles andere – an jeder Ecke findet man spannende kleine Take Aways, ob nun Sushi (und das gibt es nun wirklich überall und richtig billig…), indisches oder nepalesisches Essen – man spürt hier in jedem Fall die Nähe zu Asien.
Prinzipiell ist die Stadt sehr übersichtlich – wie die meisten neueren Städte ist sie sehr logisch aufgebaut, ich glaube, so ein bisschen erinnert die Straßenformation an ein Schachbrett.
Dennoch kann man überall etwas entdecken, denn dauernd findet man winzige Gässchen, Unterführungen oder Hauseingänge, in denen sich irgendetwas wundervolles verbirgt. Das können Second-Hand-Buchläden sein (ein Segen, dass es die gibt, neue Bücher sind hier böse teuer, finde ich), Hexenläden (toll, toll, toll – man kann da Wunschpulver kaufen und sich die Karten legen lassen und in Zauberbüchern blättern…), ein wunderschöner Laden mit italienischem, handgeschöpftem Papier…
Am Wochenende erst habe ich einen neuen Lieblingsplatz gefunden – ich bin in eine Undergroundstation hinuntergestiegen, weil da ein Schild war, das auf eine kleine Einkaufspassage hingewiesen hat. Und da habe ich einen kleinen Shop gefunden, in dem man Buttons selbstmachen kann – und die auch gleich verkaufen lassen kann, wenn man das möchte. Ebenso verkaufen sie kleine Heftchen, die Kunden selbst gemacht und geschrieben haben – mit kleinen Geschichtchen, Bildern, Comics… Ich finde es faszinierend, dass man da mit seiner Kunst ein bisschen was verdienen kann – nicht viel, aber man kann dann sagen, dass man mal seine Kunst verkauft hat. Mit den Ladeninhabern habe ich mich eine ganze Weile unterhalten, und sie haben mir so einige Ideen gegeben, mir ein paar Kleinigkeiten beigebracht und so weiter.
Nächsten Samstag will ich wieder hin, und ein paar Buttons machen. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich ja bis dahin ne Kleinigkeit und lasse es dort ausliegen?
Am gleichen Tag war ich im Immigration Museum, in einer Ausstellung, die sich damit beschäftigt, was Menschen dazu bringt, ihr Land für immer zu verlassen – und wie es den Leuten dann ergeht, wenn sie in Australien ankommen. Eine sehr gute Ausstellung, hat wirklich Spaß gemacht.
Was ich aber am spannendsten fand, waren die Eintrittspreise. Es scheint hier in Melbourne 4 staatliche Museen zu geben, die allesamt ziemlich interessant sind – und sie sind dementsprechend auch stark subventioniert. Das bedeutet, dass der übliche Eintrittspreis bei 6$ liegt, für Studenten und andere Leute mit Anspruch auf Ermäßigung ist der Eintritt sogar frei.
Das finde ich so toll, dass ich demnächst auch noch zu Scienceworks gehe, das ist ein Mitmachmuseum über die Naturwissenschaften (größtenteils Physik, aber die Physik kann ja nix dafür, dass ich sie nicht mag – vielleicht erwacht ja hier mein Interesse wieder (glaube ich aber nicht)).
Am Sonntag dann bin ich ins Astor Theatre gegangen – und das ist das absolut wunderschönste Kino, dass ich jemals gesehen habe. (Mein Märchenprinz will mich, wenn ich wieder in Deutschland bin, auch mal in die Lichtburg in Essen mitnehmen – aber ganz ehrlich, ob irgendein Kino das Astor übertreffen kann, ich weiß es nicht.)
Von außen wirkt es fast schäbig. Ich kam dort an, stand davor und dachte, naja, so toll wird es nicht sein. Dann habe ich das Kino betreten – und war absolut hin und weg. Man kommt in eine hohe Eingangshalle, an den Seiten stehen alte, aber gemütlich aussehende Sofas und die ganze Atmosphäre ist einfach… Ach, so sollte ein Kino einfach aussehen.
Das erste Wesen, das mir entgegen lief, war eine dreifarbige, gescheckte Katze – das wirkte dann schon fast surreal, als hätte jemand einen Traum gemalt. Ich habe mich ein bisschen mit der Süßen beschäftigt, habe mir dann meine Kinokarte gekauft und habe mich danach noch eine halbe Stunde mit dem Kartenverkäufer unterhalten – über Australien, Bücher, die der andere uuunbedingt lesen muss und Filme, die man liebt. Schließlich hab ich ihm noch ein Filmplakat abgekauft (“Gone with the Wind”), habe mich noch ein bisschen mit der Katze beschäftigt und bin nach oben gegangen, zu den Kinosälen.
Und auch dort ist es wieder wunderschön. Auch hier stehen überall Sessel und Sofas herum, alles ist in angenehmen Farben gehalten (interessanterweise erinnere ich mich aber nicht, welche es waren. Dunkelrot, beige und khaki, meine ich.)
Bevor die Filme losgingen, gab es für mich noch Kinonaschkram. Ich konnte mich nicht wirklich entscheiden, und die Verkäufer haben es mir auch nicht leicht gemacht: “Was ist das da?” – “Oh, nimm das, das ist soooo lecker” – die waren von ihren Waren einfach total begeistert. Wie soll ich mir da was aussuchen, wenn alles so toll ist? Schließlich gab es dann ein Stück Kirschkuchen. (Die verkaufen frischen, tollen Kuchen im Kino! Man stelle sich das mal vor!!!)
Auch der Kinosaal selbst war schön – ein dunkelroter Samtvorhang vor der Leinwand, dunkle Ledersitze, Stuck überall und klassische Musik. Ich habe mich spontan mit den Leuten angefreundet, die hinter mir saßen und wir haben geredet, geredet, geredet.
Es wurde ein Double Feature gezeigt: Erst “The Painted Veil”, ein Film mit Edward Norton nach einem Roman von William Somerset Maugham. Es geht um ein Paar, das in den 30er Jahren heiratet und ziemlich unglücklich ist. Beide gehen gemeinsam nach Shanghai, wo er Mikrobiologe ist. Schließlich betrügt sie ihn – aus Rache meldet er sich freiwillig als Arzt in einem Choleragebiet und zwingt sie, mitzukommen. Durch die dortigen Umstände verlieben sie sich endlich ineinander. – Ok, das klingt plump, aber es ist nicht immer die Frage des Was, sondern auch des Wie. (Das hab ich jetzt aber schön geklaut, was meinste, Speybridge?
)
Der Film danach war “The Kite Runner”. Den Film hatte ich schon zuvor mit meinem Märchenprinzen gesehen, aber das macht ja nix, man kann Filme ja auch mehrfach sehen. Der Film handelt von der Freundschaft zweier Jungen in Afghanistan, die durch den Verrat eines der beiden abrupt und schmerzhaft endet. Eines Tages jedoch bekommt der Junge, der den Verrat begangen hatte und mittlerweile zum Mann gereift ist, die Chance, seinen Fehler wieder gut zu machen. – Der Film ist einfach faszinierend, die Bilder, die Schauspieler, einfach toll.
Und hinterher – man glaubt es kaum, wie perfekt dieser Tag war – haben mich die netten Menschen, die ich im Kino getroffen hatte, noch nach Hause gebracht. (Normalerweise mach ich bei sowas nicht mit. Aber es war eine ältere Dame und ihre Tochter, und irgendwie hab ich das Gefühl gehabt, vertrauen zu können.) Wir haben die komplette Heimfahrt über geredet, bis unsere Münder fusselig waren.
Ach, Melbourne ist einer dieser Orte, bei denen mir das Herz bluten wird, wenn ich ihn verlassen muss. Ich habe mich Hals über Kopf verliebt – und zwar in diese Stadt.

Enjoy – verliebt sein ist schön – auch in Städte