Bettelprinzessin auf Reisen
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    20. Juli 2009, 18:33 Uhr

    Nach einem Erlebnis von vorgestern noch einmal ein kurzer Beitrag zur Armut hier.

    Es scheint, als ob hier viel mehr Menschen arm wären als wir das von zu Hause kennen. (Und es wird auch so sein, nicht nur den Anschein haben). Man sieht viele Bettler, aber noch viel mehr Menschen, die versuchen, sich irgendwie Geld zu verdienen.

    Besonders sind mir da diese alten Frauen aufgefallen, die ein halbes Dutzend Blumensträuße in Joghurtbechern vor sich stehen haben, die sie verkaufen wollen. Diese Sträuße sind wirklich schön, wahrscheinlich selbst gepflückt und arrangiert – und werden für umgerechnet einen Euro verkauft. Und wenn man dann stehen bleibt, und tatsächlich einen kauft, freuen die sich riesig. (Man sieht hier im übrigen oft Leute, die mit einem solchen Strauß durch die Gegend laufen.) Alte Frauen sieht man in dieser Situation übrigens wesentlich häufiger als irgendeine andere Gruppe – woran das liegen dürfte, muss eigentlich nicht groß ausgeführt werden: Sie waren eben früher Hausfrauen und konnten keinem geregelten Beruf nachgehen – und ob die Renten hier so üppig sind, wage ich ohnehin zu bezweifeln.

    Als Tourist hat man da ein schlechtes Gewissen – und geradezu Bauchschmerzen, wenn man dann die ganzen teuren Geschäfte sieht, die Designerkleidung und ähnliches verkaufen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist hier einfach um so vieles krasser als in Deutschland.

    Manchmal gebe ich hier einfach etwas, weil ich es als so ungerecht empfinde, dass ich diesen Urlaub hier haben kann – und die anderen um Essen betteln müssen. (Ich glaube, ich sollte niemals in Indien Urlaub machen.)

    Was ich allerdings gar nicht ab kann, sind Bettler, die vor einem auf den Knien rutschen. Ich finde es traurig, dass sie betteln müssen und sich auf diese Weise schon irgendwie erniedrigen – dass sie das dann nochmal doppelt tun, indem sie vor uns knien und sich so sehr demütigen, finde ich schrecklich. Ich will nicht, dass sich jemand vor mir erniedrigt – und ich will das nicht auch noch unterstützen, dass jemand das extra heftig tut. Hilfe brauchen, ja – aber nicht seine Würde gleich mit wegschmeißen.

    (Und es kann sein, dass ich mich mit obigem Absatz sehr unbeliebt mache. Dann ist dem so.)

    Kategorie Gedanken | 0 Kommentare »

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