18. Januar 2009
Vor ein paar Tagen ist mir beim gemütlichen Schlendern über den Oldenburger Bauernmarkt eine Broschüre zum Thema “Slow Food” in die Hände gefallen.
Slow Food ist eine Bewegung, die Mitte der 80er Jahre in Italien gegründet wurde, und ihr Zweck ist nach eigenen Angaben “eine weltweite Vereinigung von bewussten Genießern und mündigen Konsumenten [zu sein], die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten.” Sie gehen davon aus, dass Essen und Trinken für uns Menschen so zentral ist, dass man dem auch einen besonderen Stellenwert zuordnen muss. Und dazu fördern sie unter anderem eine verantwortungsbewusste Landwirtschaft, versuchen, Erzeuger, Händler und Konsumenten miteinander in Kontakt zu bringen, kümmern sich durch KinderKochKlubs und Aktionen und Schulen um kulinarische Erziehung von Anfang an – und machen noch vieles mehr.
Zusätzlich dazu gibt es eine ganze (von Slow Food unabhängige) Bewegung rund um “Slow Living”: Da gibt es Slow School, Slow Travel, Slow Cities und noch vieles mehr, alle mit einem Ziel: Bewusster leben – eben nicht nur den Pflichten und To-Do-Listen dieser Welt hinterher rennen, sondern LEBEN.
Wir sind schließlich keine Superhelden oder Roboter, wir sind Menschen. Und wenn wir unser Leben nur damit verbringen, die nächste Aufgabe zu erfüllen und Listen abzuhaken, verpassen wir ganz schön viel.
Klar, ich muss mich um meine Versicherungsangelegenheiten kümmern, um Formulare für mein Studium und darum, dass meine Miete bezahlt wird. Aber ich darf dabei nicht vergessen, dass diese Dinge kein Selbstzweck sind. Denn diese Aufgaben erfülle ich eben, damit ich mich dann wieder den Dingen zuwenden kann, die mir Sinn oder Genuss bieten: Mein Studium, meine Freundschaften, meine Beziehung, kreativ sein, auf der Bühne stehen und Theater improvisieren, stundenlang mit einem Hörbuch im Ohr und Düften in der Nase in der Küche stehen und etwas leckeres zaubern…
Es könnte als Herausforderung anzusehen sein, sein Leben genau so zu leben: Nicht die Pflichten die Macht an sich reißen lassen, sondern selbst Herr über das eigene Leben zu sein, und sich nicht in einer Flut aus Kleinkram ersticken zu lassen. (Wenn ich eines Tages herausfinde, kann ich stolz sein.)