27. September 2008
Noch 4 Stunden hab ich ihn – und die letzten zwei Tage (im Warten auf den Abschied nachher) waren teilweise meine persoenliche Hoelle.
Ich hab gestern irgendwann angefangen zu weinen und habe ploetzlich gemerkt, dass ich gar nicht mehr aufhoeren konnte, Nils musste mich immer wieder ans Atmen erinnern, weil ich so schlimm hyperventiliert habe. (Und manchmal hatte er auch ein Sandkorn oder so im Auge…)
Etwas, was sich niemand vorstellen kann, der nicht monatelang Backpacken geht, in einem Land mit fremder Sprache, ohne genug Geld, um nicht Jobben zu muessen, ohne irgendwen zu kennen ist der Mangel an Halt in so einer Situation.
Bisher wusste ich zumindest meistens ein bisschen was. Als ich zu Beginn geflogen bin, hatte ich wenigstens meinen Laptop dabei – den hab ich in Rowville als allererstes angestoepselt und habe Trillian angeschaltet, damit meine Freunde mich anschreiben koennen. Dabei habe ich dann zwar Rotz und Wasser geheult, aber ich hatte zumindest alle Zeit der Welt dafuer – und eine Zimmertuer, die ich dabei schliessen konnte.
Auch das wird jetzt fehlen und die letzte mir bekannte Sache – das Zusammensein mit Nils – endet heute.
Ich habe gestern mehrfach ueberlegt, ob ich nicht Australien einfach abbreche. Einfach heim fahren, mein Studium wieder aufnehmen, ein paar meiner Plaene in Deutschland umsetzen (wieder Seminare bei MHN, wieder Theatersport, vielleicht was ehrenamtliches machen) und einfach wieder in bekannter Umgebung sein.
Ich hatte einfach eine riesige Angst, dass mir der Himmel auf den Kopf faellt. Hab so viel geheult, dass ich den Begriff “Mensch” nicht mehr verdiene, ich war eher eine Pfuetze. Platsch.
Und nachdem ich jetzt alle Moeglichkeiten im Kopf durchgespielt habe und meinen Vater mitten in der Nacht ausm Bett geklingelt habe, habe ich mich dafuer entschieden, erstmal zu bleiben. Ich mache morgen meinen Barista-Course, suche nach Montag nach Arbeit und sehe dann mal, was kommt. Nils will mir gleich noch helfen, mein Resumee hinzukriegen.
Wir erinnern uns: Immer einen Schritt nach dem anderen tun, und wenn es ganz schlimm laeuft, wirklich immer nur an den naechsten denken.
Und wenn ihr mir was gutes tun wollt, koennt ihr Schokolade, Liebesbriefe und Nils Poste Restante ans Hauptpostamt Brisbane schicken. Oder viele liebe Emails und Lobhudeleien. Kann ich naemlich gebrauchen, armes Hascherl, das ich bin (scheisse, selbst wenn alles doof ist, hab ich noch Galgenhumor… *lacht*).