Meine erste vollständige Kalenderwoche in Australien wäre jetzt also geschafft. Ich bin seit meinem Abflug in Hamburg durch Sydney getourt, mit dem Zug nach Melbourne gefahren, hab mich bei meinen “Gasteltern” einquartiert, meinen Mitbewohner kennen gelernt und auch schon ein bisschen was unternommen und habe vor allem mit dem Praktikum begonnen. Ganz schön viel, was?
Und bei all dem lerne ich viel über das, was man als Heimweh und Sehnsucht bezeichnet. Ich hab hier teilweise Wallungen von heftigstem Heimweh, in denen ich plötzlich und sehr heftig zu weinen beginne. In diesen Momenten glaube ich, dass ich all das nie schaffen werde und wünsche ich mich mit aller Macht zurück nach Deutschland und besonders zurück zu einem hier nicht näher benannten Märchenprinzen (so nennt ihn mein Vater
). Das ist ein Gefühl, als zerreiße es mich. Die Monate, die jetzt noch kommen, erscheinen mir dann als grauer Tunnel, durch den ich einfach durch muss.
In anderen Momenten merke ich, dass ich mich hier einfach wohl fühle. Australien ist ein Land, in dem die Menschen einfach sehr offen und herzlich sind, sie haben häufig einen wunderbaren Sinn für Humor, der mir genau liegt. Meine “Gastfamilie” ist absolut großartig und auch meine Kollegen sind ne wirklich liebenswerte Truppe. Ich lerne und erlebe hier unglaublich viel.
Die neue Umgebung gibt mir auch die Chance, meine Gewohnheiten zu ändern. Weil hier einfach alles neu ist, fallen ein paar weitere Änderungen gar nicht so auf und sind auch nicht so sonderlich schwer durchzuführen. So hab ich mit dem Joggen begonnen und achte sehr auf meine Ernährung. Mal sehen, was das mit mir macht
Die Hauptlektion, die ich momentan erhalte, ist folgende: Sehnsucht ist nichts, was einem immer das Herz in der Mitte durchreißt und einen handlungsunfähig und zitternd zurücklässt. Sehnsucht kann vielmehr auch so ein leichtes Ziehen sein, dass man immer wieder bemerkt. Keine reißendes Heimweh, sondern vielmehr eine leichte Wehmut nach dem Motto “Mir gefällt es hier richtig gut – aber damit es mir wirklich an nichts fehlen würde, fehlt mir…” (In diesem Falle natürlich mein hier nicht näher benannter Märchenprinz.)
Das ist schon eine interessante Erfahrung, dieses Gefühl kennen zu lernen. Aber das Gefühl zeigt mir auch, dass es sich lohnt, diese Sehnsucht zu haben.
P.S.: Ich glaube, es ist eine gute Illustration meines momentanen Lebensgefühls, wenn ich jetzt mal kurz erwähne, dass ich letztens bei Aldi (gibts auch hier!) reingelaufen bin, als sei es das Gelobte Land…
