23. Dezember 2008
Ich freue mich seit Wochen auf Weihnachten, darauf, es ziemlich ruhig (wie ich glaube) und mit ziemlich netten Menschen zu feiern (insbesondere natürlich mit meinem Süßen – dieses Jahr muss ich nicht an ner Telefonzelle frieren, wenn ich ihm ein frohes Fest wünschen will!).
Und dann bin ich heute ins Grübeln gekommen.
Meine zwei schönsten Weihnachten, seit ich kein kleines Kind mehr bin, sahen folgendermaßen aus:
- Mit 16 habe ich den Heiligabend bei meiner Oma verbracht, mit Schnittchen vorm Fernseher. Wir haben uns “Vom Winde verweht” angeschaut, und es war einfach toll.
- Eine Freundin meiner Mutter hatte mal eine Kneipe, und vor 3 Jahren gabs die auch noch. Damals haben wir dann in dieser Kneipe gefeiert: Meine Mutter, mein Stiefvater, diese Freundin – und all die Gäste, die sonst alleine gewesen wären. Jeder, der wollte, brachte was zu essen mit, und wir hatten ein riesiges Buffet da. Und dann saßen wir unter ein paar geschmückten Zweigen da, aßen, tranken – und ein Freund meiner Eltern erzählte mir aus seiner Studienzeit.
Heute habe ich dann im Bus die Menschen um mich herum beobachtet, die da waren… Da war eine Frau, ich schätze, sie war afrikanischer Herkunft, mit tollen, verschieden gemusterten Kleidern am Leib – und unglaublich vielen Tüten, mit viel frischem Gemüse, sonstigem Essen und einem großen, schön verpackten Geschenk. Ich hab mich vorgestellt, wie sie morgen mit vielen Leuten ein fröhliches Weihnachten feiert, wer wohl dieses Geschenk bekommt…
Dann saß da noch so ein Mann da, der mir nie aufgefallen wäre, aber er wirkte irgendwie alleine. Da habe ich mich dann gefragt, ob er morgen alleine sein wird.
Zu einem anderen Zeitpunkt heute stellte sich dann plötzlich die Frage, wieso ich an Weihnachten so gerne in die Kirche gehen will, aber sonst nie gehe.
All diese Beobachtungen, Erinnerungen und Gedanken türmen sich auf zu einer großen Frage:
Was ist es, das Weihnachten zu Weihnachten macht?
Wenn Weihnachten für die meisten von uns zunehmend seine christliche Bedeutung verliert, was ist es dann noch?
Eine Antwort habe ich nicht wirklich, aber mein Gefühl sagt mir, dass es am “Geist der Weihnacht” vorbeigelebt ist, wenn man diese Tage damit verbringt, gezwungen “fröhliche Weihnachten” zu feiern, und dabei dauernd haarscharf an einem Streit vorbei zu lavieren. Oder in die Kirche zu gehen, weil die Oma sonst beleidigt ist. Oder Pflichtgeschenke zu machen (so nach dem Motto “irgendein Buch für unter 10 Euro”).
Mein Gefühl sagt mir, dass man mit den Leuten feiern sollte, die man liebt – ob das nun der Partner ist, die Familie oder die Freunde (auch wenn man manchmal nicht alle auf einmal haben kann) – und die Festtage so verbringen sollte, wie eigentlich das ganze Leben: Entspannt, ohne große Erwartungen und ohne falsches Pflichtgefühl.
Ob man in die Christmette geht oder nicht, einen Weihnachtsbaum hat oder eine blinkende Scheußlichkeit, eine Weihnachtsgans oder eine Pizza, viele Geschenke macht oder gar keine… Das ist egal.
Ich wünsche euch allen frohe Festtage mit Menschen, die ihr liebt, und bei denen ihr ein Weihnachten haben könnt, das euch ein ganz warmes Gefühl im Bauch beschert.