Ich bin alleine nach Australien gegangen und größtenteils alleine gereist.
Wieso ich das nun gemacht habe, weiß ich bis jetzt nicht. Vielleicht waren es irgendwelche Reiseberichte, vielleicht war es die Schwärmerei eines mir nahen Menschen, wie wunderbar er sich Australien vorstelle, wahrscheinlich habe ich vorher auch einfach nicht wirklich drüber nachgedacht (Denken kann man auch übertreiben, finde ich).
Ein ganz wichtiger Faktor ist aber: Ich bin nach Australien gegangen, weil ich eine riesige Angst davor hatte, auf mich allein gestellt zu sein.
In Deutschland ist immer jemand da: Nils, meine Familie, meine Freunde. Wenn ich irgendwie Hilfe brauche, ist jemand zur Stelle, wenn ich Trost brauche, muss ich mich nur melden, und ich kriege eine Schulter zum Ausweinen und eine Tasse Tee.
All diese Menschen sind mein Netz, falls ich beim Tanzen auf dem Drahtseil des Lebens mal stolpere und falle.
Australien war anders. Zu Beginn hatte ich grausames Heimweh, und ich erinnere mich an mehr als eine Gelegenheit, an der ich so heftig geweint habe, dass ich irgendwann hyperventiliert habe und gar nicht mehr wusste, wohin denn nun mit mir. Ja, ich bin per icq getröstet worden. Aber vom Gefühl her war ich trotzdem alleine, zumal in Australien auch niemand war, den mein Heimweh nun so wirklich interessiert hätte. Da war eben kein Netz.
Und was macht man dann?
Man macht weiter, ganz einfach. Man zieht sich eben in Münchhausener Manier selbst an den Haaren aus der Scheiße, man sucht sich seine Strategien – und merkt plötzlich, dass man alleine eigentlich ganz prima klar kommt.
In dem Moment macht das keinen Spaß, man fühlt sich ganz elend und schwach – aber im Endeffekt ist man das genaue Gegenteil von Schwach: Die Momente, in denen wir uns ganz und gar nicht stark fühlen und trotz unserer Angst und unseres Schmerzes irgendwie weitermachen, die sind es, in denen wir wirklich stark sind.
